Ein politisches Erdbeben hat sich heute im Rathaus von Berlin ereignet. Jann Jakobs, Oberbürgermeister von Potsdam, hat seinem Berliner Kollegen Klaus Wowereit ein Dokument überreicht, das die bisher geltenden Stadtgrenzen in Frage stellt. Aus diesem Dokument, das Mitarbeiter des Straßenbauamts Potsdam gestern in den Archiven den Potsdamer Rathauses gefunden haben, geht hervor, dass große Teile Berlins rechtmäßig der Stadt Potsdam gehören.
Politik hin oder her, das hat auch Auswirkungen auf den Berlin Marathon. Wie uns auf Nachfrage mitgeteilt wurde, betrifft diese Streitigkeit auch die Strecke des Berlin Marathons. Kurz nach Kilometer 13 wird der Punkt überlaufen, den Berlin bisher als Stadtgebiet beanspruchte und den nun Potsdam zugesprochen haben möchte. Erst nach Kilometer 14,11 geht es wieder zurück in unumstrittenes Berliner Gebiet. Und die Stadtverordnungen beider beteiligten Städte sehen eindeutig vor, dass Berlin keine Veranstaltungen auf Potsdamer Grund ausführen darf und umgekehrt. Das ginge nur nach Absprache mit dem jeweiligen Nachbarn. Da es aber in der Vergangenenheit nie eine solche Fragestellung gab, hat Berlin den Marathon völlig eigenständig veranstaltet. Das wird sich nun ändern.
Bis zur Klärung des Sachverhaltes sind alle bisher eingegangenen Anmeldungen zum Berlin Marathon 2011 ungültig. Da die Veranstalter bereits vor einigen Wochen gemeldet hatten, dass der Lauf ausverkauft ist, dürfte das rund 40.000 Läufer betreffen.
Mit der Sache vertraute Personen rechnen mit einer Klärung in den kommenden 36 Monaten. Unterlagen müssen gesichtet werden, Messungen werden stattfinden und es ist nicht auszuschließen, dass die Sache vor den Gerichten geklärt werden muss. Ein mögliches Szenario wäre es, dass der Lauf „Berlin (96%)-Brandenburg (4%)-Marathon“ genannt wird. Können sich beide Seiten nicht auf eine gemeinsame Namensgebung einigen, droht der Berlin Marathon 2011 auszufallen.
Sollten sich beide Seiten verhärten, könnte es sogar soweit kommen, dass Berlin den Marathon trotzdem durchführt, die Läufer dann aber an der fraglichen Stelle eine Grenzübergang erwartet. Durch die denkbare Ausweiskontrolle werden sich viele Bestzeiten dann in Luft auflösen. Aber so weit geht die politische Auseinandersetzung dann hoffentlich doch nicht.
Fragen dazu können besorgte Läufer unter der eigens dafür eingerichteten Mailadresse stellen.

















